Archiv für März 2011

Thementag: Tierbefreiung am 19.03.11

Eine Veranstaltung der Grünen Toleranz – zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Mensch-Tier-Verhältnis statt – Human-Animal-Studies:

Geschichtsunterricht Buchlesung mit Renate Brucker: „Das Schlachten beenden“ zeigt die verschiedenen Traditionen aus anarchistischer, feministischer, pazifistischer und linkssozialistischer Perspektive auf. Das Buch bietet einen Einblick in die Anfänge eines emanzipatorischen Tierrechtsgedanken. Angeführt werden z.B. Leo Tolstoi, Clara Wichmann und Magnus Schwantje. Der Schwerpunkt der Lesung wird auf dem Pazifisten, Sozialreformer, Vegetarier und Tierrechtler Magnus Schwantje (1877-1959) liegen. Renate Bruckner betreut ebenfalls das „Magnus Swantje Archiv“: www.magnus-schwantje-archiv.de

Human-Animal-Studies, Theorieunterricht – Referat mit André Gamerschlag:

Viele Aktivist_innen unterscheiden zwischen zwei Lagern der Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung: die herrschaftskrische und die „Hauptsache-Für-Die-Tiere“-Fraktion. Die einen sehen Tierbefreiung im Rahmen einer befreiten Gesellschaft, die anderen sind bereit, mit regressiven Gruppen zu arbeiten und fragwürdige Methoden anzuwenden, wenn es hilft, Tierrechte und Tierbefreiung zu propagieren. In den 1990er Jahren kam im herrschaftskrischen Flügel das Unity-Of-Oppression-Konzept auf. Auf der politischen Ebene stand es für die Überzeugung, dass nicht einzelne Herrschaftsformen, sondern Herrschaft an sich und in all ihren Formen abgebaut werden muss. Auf der theoretischen Ebene unterstrich es die politische Forderung, indem auf die Verflochtenheit von Herrschaftsmechanismen verwiesen wurde, welche die isolierte Bekämpfung einzelner Formen infrage stellt.

Der Vortrag besteht aus drei Blöcken. Im ersten Block wird das im Black Feminism entstandene Triple-Oppression-Konzept (Dreifachunterdrückung schwarzer Frauen durch Rassismus, Sexismus, Klassismus) sowie dessen Erweiterung durch die Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung zum Unity-Of-Oppression-Konzept dargestellt. Anschließend wird mit der „Intersektionalität“ eine aktuelle wissenschaftliche Diskussion vorgestellt, welche ebenfalls aus der Triple-Oppression entstand und viele Parallelen zu Unity-Of-Oppression aufweist. Im zweiten Block werden diese Konzepte genutzt, um Verbindungen und Gemeinsamkeiten von Speziesismus, Sexismus und Rassismus zu suchen und die Einbettung im Kapitalismus zu thematisieren. Den dritten Block bildet eine offene Frage- und Diskussionsrunde. Ein möglicher Aufhänger könnte sein: Folgt aus der Verflochtenheit verschiedener Formen von Herrschaft, Ungleichheit, Diskriminierung, dass Single-Issue-Bewegungen (z.B. Frauen-, Ökologie-, Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung) überholt und eine rundum herrschaftskritische Bewegung unumgänglich ist?

Obwohl hauptsächlich theoretische Aspekte behandelt werden – die jedoch für politische Diskussionen relevant sind – wird der Inhalt so vermittelt, dass er auch für Einsteiger_innen verständlich ist. Nach jedem Unterpunkt wird eine Pause für Fragen und Anmerkungen gemacht, Verständnisfragen können jederzeit gestellt werden. Der Vortrag dauert etwa 70min + Diskussion und wird durch eine Präsentation und ein Handout unterstützt.

Ort: Café Courage, Bahnhofstraße 56, 04720 Döbeln
Beginn: 16 Uhr

+++im Anschluss Diskussion oder Chill Out+++vegan food+++Eintritt frei+++

Tar Sands

Am 09.03.2011 findet im Café Courage um 19:00 Uhr, ein Vortrag mit Falk Beyer (Journalist und Umweltaktivist) zum Thema Tar Sands (Teersande) statt. Die Tar Sands sind eine „unkonventionelle“ Form der Ölgewinnung die von den größten Ölkonzernen bereits genutzt werden oder noch erschlossen werden soll. Auf Grund des Versiegens konventioneller Ölquellen, wird bereits jetzt, im nördlichen Alberta (kanadische Provinz), auf einer Fläche so groß wie die Schweiz, Öl gewonnen. Diese Methode der Ölgewinnung geht einher mit der Zerstörung der Natur, dem vertreiben indigener Bevölkerungen und das Töten unzähliger Tiere. Der Vortrag wird veranstaltet von der Gruppe Grüne Toleranz und dem GreenKids e.V. Wie immer wird es auch ein veganes Abendessen im Rahmen der MiMaKü geben

Tar Sands: Die dreckigste Form der Ölgewinnung

fb Eine neue Kampagne wird ab Ende 2009 die umweltzerstörende, menschenverachtende Ölgewinnung aus den “Tar Sands”, einem stark ölhaltigen Boden, der vor allem in der kanadischen Provinz Alberta abgebaut wird, angreifen und versuchen öffentliche Aufmerksamkeit auf die Machenschaften der Ölindustrie zu richten. Eine Fläche so groß wie die Schweiz wird derzeit von nahezu allen Ölkonzernen der Welt auf der Suche nach dem begehrten Rohstoff “umgegraben”.

Es handelt sich dabei nicht nur um sensible ökologisch wertvolle boreale Wälder und Feuchtgebiete, sondern überwiegend auch um das Land indigener Menschen. Von Anfang an, schon vor über zwanzig Jahren, als die ersten Versuche der Ölförderung aus den Tar Sands begannen, wurden die indigenen Communitys ohne Kompensation enteignet und ihre “traditional lands”, die viele kulturelle und historische Stätten beherbergen, verwüstet.

Bis heute nehmen sich die Ölunternehmen einfach was sie wollen und haben noch keine der betroffenen “First Nations” (Selbstbezeichnung der indigenen Gemeinschaften in Kanada) entschädigt. Die Unternehmen pachten das Land vom Staat, der ebenfalls keine Notwendigkeit sieht die betroffenen First Nations um ihre Meinung zu fragen oder gar einzubeziehen.

Wenn ein Ölunternehmen in ein Gebiet einzieht, wird zuerst der Wald abgeholzt, dann wird die ganze Gegend drainiert, die Feuchtgebiete werden zerstört. Wenn die Wälder abgeholzt und die Moore trockengelegt sind, tragen die Ölunternehmen den Oberboden ab und lagern diesen irgendwo über Jahrzehnte, um ihn irgendwann zur “Renaturierung” wieder zu verwenden. Danach wird stufenartig ein gewaltiger Tagebau in die Erde gefressen. Der ölhaltige Boden wird entnommen, zerkleinert, mit heißem Wasser versetzt und in die nächsten Aufbereitungsanlagen gepumpt.

Was da nach einem energieaufwändigem Prozess extrahiert worden ist, ist Bitumen, ein teerartiges Material, das noch nicht für die Ölindustrie brauchbar ist. Doch es geht jetzt weiter in die “Upgrader”. Nachdem auch hier große Mengen fossiler Brennstoffe verbraucht und Rauchschwaden diverser Schadstoffe freigesetzt worden sind, steht das vorläufige Endprodukt bereit: ein Rohöl von der Qualität des Öls, das in der konventionellen Ölgewinnung (z.B. Nahost) direkt aus dem Boden gepumpt wird. Nun kann es in Raffinerien für die Weiterverwendung in der Öl- und Chemieindustrie aufbereitet werden.

Bei all diesen Verarbeitungsprozessen wird sehr viel Wasser verbraucht. Und bei jedem Verarbeitungsschritt fallen auch enorme Mengen giftiger Abwässer an. Diese toxischen Abfälle werden in natürlichen Seen und künstlichen Becken gesammelt – quasi Sondermülldeponien für die Ewigkeit. Die giftigen Wässer sickern einfach durch den Untergrund ins Grundwasser bzw. an den Seiten in benachbarte Fließgewässersysteme.

Inzwischen treten auffällige Häufungen von Krebs und anderen Erkrankungen in den indigenen Gemeinschaften flussabwärts des Athabasca Rivers auf. Besonders bekannt geworden sind die Krankheitsfälle in Fort Chipewyan, die durch einen engagierten Arzt bekannt gemacht wurden, dem dafür wegen “Panikmache” seine Lizenz entzogen wurde. Aber auch eine Untersuchung des Athabasca River und der in ihm und seinen Nebengewässern lebenden Tiere hat starke toxische Ablagerungen und auffällige Mutationen zu Tage gebracht. Die Regierung von Alberta und die Ölunternehmen bestreiten den Zusammenhang zwischen Industrie und diesen Krankheiten.

Mit unserer Kampagne wollen wir die Ölindustrie mit ihren schmutzigen Geschäften in das öffentliche Bewusstsein rücken, Widerstand hier, auf ihren Absatzmärkten, erzeugen und damit die Menschen vor Ort und ihren Widerstand unterstützen. Dazu soll es viele Infoveranstaltungen, Aktionen bei Ölkonzernen und gut recherchiertes Infomaterial geben.




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